Start Allgemeine Reiseinfos Reiseberichte Von Deutschland ins Star Wars-Universum in 3 Stunden

RSS-Newsfeed

Von Deutschland ins Star Wars-Universum in 3 Stunden
Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 
Allgemeine Infos - Reiseberichte
Geschrieben von: U. Wassenberg   
Donnerstag, den 12. August 2010 um 00:00 Uhr

Vor langer Zeit in einer Galaxie weit, weit entfernt.“ Einigen dürfte diese Zeile noch aus dem Science-Fiction-Spektakel "Star Wars – Episode IV" im Gedächtnis sein. Auf die Entfernung bezogen hat der Filmemacher George Lucas jedoch stark übertrieben. Ein Teil des Kriegs der Sterne fand nämlich in Linienflug-Entfernung im südlichen Tunesien statt.

Manche Sachen wirken so archaisch, dass sie in der modernen Welt als futuristisch durchgehen. Das wird wohl auch einer der Beweggründe des Hollywood-Filmemachers George Lucas gewesen sein, in Tunesien zu drehen, hier fand er nämlich Landschaften, Städte und Dörfer vor, die auf der Kinoleinwand völlig futuristisch wirken, Architektur und auch Bekleidung der Berber konnten bis auf gerinfügige Änderungen übernommen werden. Dies gilt auch für Ortsnamen, so wurde aus der beliebten Ferieninsel Djerba Jedai und aus der Provinzstadt Tataouine der Wüstenplanet Tatooine.
Seit 1977 drehte Lucas an mehr als zwölf Schauplätzen in Tunesien. Einer von ihnen ist das Hafenstädtchen Ajim auf Djerba, das im Film als jener berüchtigte Raumhafen Mos Eisley in Erscheinung tritt, wo Luke Skywalker und Han Solo einander erstmals begegnen. Aber auch für Reisende, die „Star Wars“ überhaupt nicht interessiert, bietet sich Ajim als Ausgangspunkt für die „Straße der Ksour“ an.
Mit einer Autofähre geht es auf das tunesische Festland nach Djorf und von dort in den Süden, wo noch eine Vielzahl an Dörfern in traditioneller Waben-Bauweise anzutreffen ist. Sie werden als Ksour bezeichnet. Ein Ksar – so der Begriff für die Einzahl – wird in der Regel von einer Verteidigungsmauer umschlossen. Dahinter verbergen sich mehrstöckige, wabenartig verschachtelte Bauten mit Tonnengewölben. Sie dienen vielfach noch heute als Wohnräume und Vorratsspeicher.

 

Bewährte Architektur gegen Hitze und Kälte

Die seltsam anmutende Architektur ist das Ergebnis jahrhundertelanger Erfahrung der Wüstenbewohner unter extremen klimatischen Verhältnissen am Rande der Sahara, massiv gemauerte Wände aus Lehm oder Stein mit möglichst wenigen Öffnungen schützen nämlich vor gleißender Hitze am Tag und der klirrender Kälte in der Nacht.
Führte noch in jüngerer Vergangenheit die Verbreitung von Elektrizität und Klimaanlagen in Tunesien zum Verschwinden der traditionellen Bauweise, so hat Tunesien mittlerweile die Bedeutung des kulturellen Architekturerbes und auch dessen touristisches Potenzial erkannt. Die noch 120 erhaltenen Ksour werden vor dem Verfall bewahrt, in vielen Gebäuden wird emsig saniert. Eines von vielen Beispielen dafür ist das von seinen Bewohnern verlassene Ksar Jouamaa, das zwischen Medenine und Tataouine inmitten einer atemberaubenden Berglandschaft liegt. Kulissen wie diese locken Filmemacher aus aller Welt schon seit Jahrzehnten nach Tunesien. George Lucas war wahrlich nicht der einzige.
Franco Zeffirelli drehte 1977 die Jerusalem-Szenen seines Bibelfilms "Jesus von Nazareth" im tunesischen Monastir. Die Außenaufnahmen zu Monty Pythons Bibel-Persiflage "Das Leben des Brian" entstanden ebenfalls in Tunesien, wobei das Filmteam die zauberhaften orientalischen Ecken der Altstadt von Kairouan nutzte.
Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen: Von Francesco Rosi bis Harrison Ford als Indiana Jones im Abenteuerfilm "Jäger des verlorenen Schatzes". Und da ist dann noch die berühmte Einstiegsszene zu Anthony Mingellas Erfolgsfilm "Der Englische Patient", in der Graf Almasy seinen letzten Flug – mit der toten Katherine vor sich sitzend – unternahm. Die im Licht der untergehenden Sonne leuchtenden Sanddünen sind jene des tunesischen Douz. Weitere Schlüsselszenen des Melodrams entstanden in den Bergoasen von Chebika, Mides und Tamerza. Zurück auf die Straße der Ksour: Am Eingangstor zum Ksar Hadada erinnert eine dreisprachige Informationstafel daran, dass George Lucas hier im Juli 1997 für "Star Wars – Die dunkle Bedrohung" drehte. Eingefleischte „Krieg der Sterne“-Fans, die auf den Spuren von Luke Skywalker und Co. durch Tunesien pilgern – und solche gibt es gar nicht so wenige – wissen, dass weit entfernte Galaxien manchmal sehr nahe liegen.